Auswandern mit Kindern - Warum wir zweimal nach Mallorca ziehen
- 9. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Nov. 2025
Als ich zehn Jahre alt war, ist meine beste Freundin mit ihrer Familie nach Italien ausgewandert. Für mich war das damals eine riesige Chance. Ihre Eltern haben sich große Mühe gegeben, unsere Freundschaft zu erhalten, und so durfte ich sie in fast jeder Ferienzeit besuchen.Dadurch habe ich früh erfahren, wie anders das Leben im Süden ist. Die Menschen schienen glücklicher – vielleicht, weil so vieles draußen stattfand. Schon als Kind habe ich meine Mama immer wieder versucht zu überreden, ebenfalls auszuwandern. Doch das hat leider nie funktioniert.
Aber der Wunsch blieb.
Viele Jahre später, als Erwachsene mit eigener Familie, haben mein Mann und ich diesen Traum wahr gemacht: Wir sind mit unseren beiden Jungs nach Mallorca ausgewandert. In Deutschland haben wir unser Haus aufgegeben, alles verkauft und einen kompletten Umzug auf die Insel organisiert. Die Zeit war wunderschön – und gleichzeitig sehr herausfordernd für uns als Eltern. Besonders unser Kleiner, damals gerade sechs Jahre alt, hatte schwer mit dem Abschied zu kämpfen. Obwohl ich Hilfe suchte und alles dafür tat, ihn zu unterstützen, kam er mit dem Verlust unseres Zuhauses nicht klar. Sicherlich hätten wir bleiben können, und er hätte sich irgendwann arrangiert. Doch diese Option fühlte sich für uns falsch an. Also entschieden wir uns, zurückzugehen – in genau dasselbe Haus am Ammersee, das wie durch ein Wunder noch auf uns wartete.
Wir zogen also zurück. Einmal Retour.
Es schien absurd und doch fühlte es sich vollkommen richtig an. Unser Sohn war überglücklich, und wir alle fanden langsam wieder in unseren Alltag hinein. Doch nach der anfänglichen Erleichterung spürten mein Mann und ich, dass wir beide im Herzen nicht wirklich glücklich waren.
Das Leben auf Mallorca war ein anderes – leichter, sonniger, freier. Das Licht, das Meer, der Rhythmus, der sich ganz natürlich nach draußen verlagert: all das fehlte uns. Es dauerte eine Weile, bis wir ehrlich miteinander darüber sprachen und einen neuen Plan machten – diesmal mit mehr Geduld und Vorbereitung für die Kinder.
Mallorca war in der Zwischenzeit zu unserem zweiten Zuhause geworden.Wir verbrachten dort viele Wochen, pflegten Freundschaften und ließen sie wachsen. Auch sprachlich sind die Kinder nun viel weiter als bei unserem ersten Versuch. Und heute ist es ausgerechnet unser Kleiner, der es kaum mehr erwarten kann, wieder auf die Insel zu ziehen.
Diesmal machen wir es anders. Wir fahren im Moment zweigleisig – mit einem festen Zuhause in Deutschland und einem kleinen Ferienhaus auf Mallorca, das uns das Gefühl von Zuhause gibt, ohne alles aufzugeben. Finanziell ist das vielleicht keine rationale Entscheidung. Aber emotional ist es unbezahlbar.
Gerade sitze ich hier, schaue auf das Meer und den blauen Himmel. In Deutschland, wo mein Mann mit den Kindern gerade ist, ist es grau und regnerisch. Dort spielen sie drinnen, hier rennen sie in T-Shirts durch die Sonne.
Ich liebe Deutschland und weiß es als meine Heimat sehr zu schätzen.
Und ich weiß auch, dass nicht jeder Mensch im Süden leben kann.
Aber ich weiß: Mein Herz gehört hierher.



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